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Kommentar: Lieber die Fahrradbranche fördern als die Automobilindustrie

Motorwelt-Redakteur Wolfgang Rudschies zieht im ADAC-Blog ein eher ernüchterndes Fazit für einen Feldversuch des Bundesministeriums für Verkehr zur Elektromobilität in acht Modellregionen. Und die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Knapp 2500 Elektrofahrzeuge, davon 881 Pkw, 1096 Ladestationen und 2,2 Millionen gefahrene Kilometer sind das Ergebnis des Versuchs.

Ausführlich beschreibt Rudschies die Lehren, die aus dem Versuch abgeleitet werden können oder schon gezogen wurden.

  • Mit dem Verkauf von Autostrom lässt sich kein Geld verdienen.
  • Eine öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektroautos scheint noch nicht nötig.
  • Es bedarf durchdachter Konzepte. Einfach Elektroautos an den Bahnhof stellen reicht nicht.
  • Eine Kaufprämie für E-Autos sei nötig und sinnvoll.
  • Die Förderung von Forschung und Entwicklung hat Vorrang. Dafür gibt es eine Milliarde Euro.
  • Eine Standardisierung eines Steckers braucht noch zwei bis drei Jahre.
  • Der Erfolg von Elektromobilität ist eng verknüpft mit der Sicherung des Standortes Deutschlands.
  • Die Stromnetze müssen um- und ausgebaut werden. Dazu bedarf es einer hohen gesellschaftlichen Unterstützung und großen Investitionen.
  • Bis 2020 werden wohl keine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen sein, so wie die Politik gefordert hat.
  • Ein Großteil der E-Autos wird der gewerbliche Verkehr und Carsharing-Anbieter ausmachen, nicht der private Eigentümer.
  • Konflikt zwischen geräuscharmen Verkehr und Sicherheit für Fußgänger.
  • Die deutsche Automobilbranche ist viel zu zögerlich hinsichtlich Serienproduktion von Elektroautos.
  • Erst zwischen 2020 und 2025 sollen die E-Autos aufgrund der Stückzahlen günstiger werden.

Wenn man diese Punkte alle betrachtet und sich dazu im Vergleich die Entwicklungszahlen bei den Elektrofahrrädern ansieht (über 300.000 verkaufte Pedelecs in Deutschland), wundert man sich schon, warum die Regierung nicht einen Bereich fördert, der sogar schon kurzfristig Erfolg verspricht.

Da werden Milliarden zur Förderung der reichen Automobilindustrie versenkt, statt einen Teil davon als Inkubator für eine vielversprechende Entwicklung bei den Elektrofahrrädern zu verwenden. Ohnehin wird die Akzeptanz für Elektroautos in der breiten Gesellschaft nicht über Nacht kommen. Aber wenn man das Elektrofahrrad als Zwischenschritt einer Entwicklung hin zur Elektromobilität sieht, dürften die Nutzer sich schneller für ein Elektroauto interessieren. Denn wer täglichen mit einem Elektrogefährt zu tun hat, sammelt Erfahrung, interessiert sich und baut Hemmschwellen gegenüber einer neuen Technologie ab.

Die Regierung setzt auf das falsche Pferd. Erst wenn nahezu jeder Bürger ein Elektrofahrrad fährt, ist der Markt reif für Elektroautos.

 

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